Interdisziplinäre Ringvorlesung
Wintersemester 2022/23

Nachhaltigkeit
Über Ressourcen und Bedürfnisse

donnerstags, 18 c.t. - 20 Uhr 
Hörsaal II (Hauptgebäude)

Nachhaltigkeit meint ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen begrenzten Ressourcen und deren Verbrauch. Diese Balance ist heute weltweit in vielen Bereichen nicht mehr gegeben. Natürliche Ressourcen werden durch unsere Bedürfnisse unaufhaltsam aufgebraucht und viele neigen sich ihrem Ende zu. Die Ringvorlesung möchte diese Zusammenhänge in Vorträgen und Diskussionsrunden mit Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen in einigen Aspekten aufgreifen. Es geht u.a. um Einschätzungen aktueller Problemlagen aus ökologischer, ökonomischer und entwicklungspolitischer Sicht. Zu fragen ist, wie sich unser Verhalten in Bezug auf Nachhaltigkeit empirisch darstellt, welche Praktiken hier greifen und wie theologische und ethische Perspektiven eine Orientierung geben könnten. Schließlich wird ein Blick auf Diskurse über Nachhaltigkeit geworfen und die Frage diskutiert, wie Kultur selbst als Ressource zu verstehen wäre.

Hier finden Sie den Flyer zu dieser Veranstaltungsreihe.

Organisatorische Hinweise

Die Ringvorlesung ist als öffentliche Präsenzveranstaltung geplant. Eine Anmeldung zur RV ist nur für BA-Studierende der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn erforderlich. Bitte beachten Sie: Im WS sind ggfls. besondere Regeln für den Corona-Schutz zu beachten (z. B. 3G-Regeln, Maskenpflicht).

Wichtiger Hinweis:
Nur für den Fall, dass wir die Ringvorlesung im WS digital anbieten müssten, finden Sie hier den Zoomlink, über den Sie sich in die Veranstaltungen einwählen können. 

Programm

Priv.-Doz. Dr. Manuel Becker (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie)
Prof. Dr. Volker Kronenberg (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie)
Priv.-Doz. Dr. Hedwig Pompe (Arbeitsstelle Internationales Kolleg; Institut für Germanistik)
Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister (Katholisch-Theologische Fakultät)
Prof. Dr. Annette Scheersoi (Prorektorat für Nachhaltigkeit; Fachdidaktik Biologie)
Priv.-Doz Dr. Andrea Schütte (Institut für Germanistik)

   

Die Beanspruchung von begrenzten Ressourcen unserer Erde hat insbesondere im Zusammenhang von Landnutzung für Nahrung, Energie und Infrastruktur in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Vereinbarkeit von Entwicklung und Nachhaltigkeit ist eine Herausforderung, für die verschiedene Lösungsansätze existieren. In unserer Arbeit erforschen wir in unterschiedlichen Ländern des Globalen Südens das Potential solcher Ansätze gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus der Landwirtschaft, dem Naturschutz, der Wirtschaft und Politik. In unserem Vortrag werden wir einige unserer Projekte vorstellen.

Moderation: Prof. Dr. Annette Scheersoi


Lisa Biber-Freudenberger
ist Nachwuchsgruppenleiterin am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Sie studierte Biologie und Naturschutz in Göttingen, Osnabrück und in Neuseeland und promovierte an der Universität Potsdam und der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den Interaktionen zwischen Mensch und Natur und legt Wert insbesondere auf einen inter- und transdisziplinären Ansatz.

  • Biber-Freudenberger, L., et. al.: Exploring criteria for transformative policy capacity in the context of South Africa’s biodiversity economy. Policy Sciences, 54/1 (2021). S. 209-237. Link: https://link.springer.com/article/10.1007/s11077-020-09385-0
  • Biber-Freudenberger, L., et. al.: Sustainability implications of transformation pathways for the bioeconomy.  Sustainable Production and Consumption, Volume 29 (2022). S. 215-227. Link: https://doi.org/10.1016/j.spc.2021.10.011
  • Biber-Freudenberger, L., et. al.: Will Brazil’s push for low-carbon biofuels contribute to achieving the SDGs? A systematic expert-based assessment. Cleaner Environmental Systems. 2022. Link: https://doi.org/10.1016/j.cesys.2022.100075

Angestoßen durch den Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit (1972) hat sich Nachhaltigkeit in der Theologischen Ethik zu einem immer wichtigeren Thema entwickelt und tritt neben Prinzipien wie Personalität, Solidarität, Subsidiarität als Leitlinie für gerechtes Handeln. Doch werden Kritiken immer lauter, die in Nachhaltigkeit ein Konzept zur Bewahrung des Status quo vermuten, nicht geeignet, die notwendigen Veränderungen zu initiieren. Im Rückgriff auf die Enzyklika Laudato si werden daher Forderungen erhoben, den Menschen umfassend eingebunden in ein weiter gedachtes Verständnis von einer guten Schöpfung zu deuten.

Moderation: Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister


Anna Maria Riedl
ist Juniorprofessorin für Christliche Sozialethik mit dem Forschungsschwerpunkt Nachhaltigkeit an der Universität Bonn. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit sozial- und moralphilosophischen Grundlagenfragen Theologischer Ethik, Politischer Ethik, Technikethik, Kindeswohl- und Kinderrechte und mit Fragen zum Verhältnis und zur Vermittlung von Theorie und Praxis. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet. 2018 erhielt sie den Förderpreis „Christliche Sozialethik“ des Sozialinstituts der Kommende Dortmund, 2016 den Dissertationspreis der Theologischen Fakultäten der Universität Münster und Frauenförderpreis der Universität Münster zus. m. der Agenda Regionalgruppe.

Auf dem Podium stellen Vertreter*innen vom Green Office (das studentisch geführte Nachhaltigkeitsbüro der Universität Bonn), vom Referat für Ökologie (Allgemeiner Studierendenausschuss der Universität Bonn) und von der Hochschulgruppe Students for Future (Hochschulgruppe, Teil der Fridays For Future Ortsgruppe Bonn) ihre Arbeit und Projekte für Nachhaltigkeit vor. Es geht u.a. um allgemeine Klimabildung, die Herausgabe eines Nachhaltigkeitsreaders, die Konzeption der Public Climate School, die Idee einer nachhaltigen Mensa, um Vorhaben für eine klimaneutrale Universität, um Workshops mit praktischen und alltagstauglichen Tipps.
Im Anschluss an das Podiumsgespräch ist eine Diskussion mit dem Publikum vorgesehen. 

Moderation: Hannah Grzonka, Simon Kenfenheuer, Sina Mosen


Green Office
ist das studentisch geführte Nachhaltigkeitsbüro der Uni Bonn, mit dem Ziel, den Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und allen anderen Beschäftigten der Uni zu fördern und Nachhaltigkeit strukturell in der Universität zu verankern. 

Das Referat für Ökologie ist ein von den Studierenden gewähltes Angebot des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Wir arbeiten dafür, dass sich die Studierenden der Universität Bonn, aber auch interessierte Menschen, die nicht studieren, mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Students for Future Bonn ist eine Hochschulgruppe und Teil der Fridays For Future Ortsgruppe Bonn. Ziel der Gruppe ist eine gänzlich klimaneutrale Universität und die Förderung von Klimabildung, z.B. Organisation von Vorträgen und anderen Veranstaltungen, insbesondere im Rahmen der Public Climate School (PCS).

Der gegenwärtige globale ‚Mega-Diskurs‘ über Nachhaltigkeit ist weitgehend von ‚nördlichen‘ Perspektiven, Narrativen und Standards geprägt. Ansätze aus dem Globalen Süden werden kaum einbezogen. In unserem Vortrag stellen wir Konzepte und Praktiken von Nachhaltigkeit in Asien vor, bringen sie in einen ‚glokalen‘ Dialog und diskutieren Möglichkeiten und Hindernisse der Anwendbarkeit in Politik und Praxis.

Moderation: Priv.-Doz. Dr. Hedwig Pompe


Kristina Großmann
ist Professorin für Ethnologie Südostasiens an der Universität Bonn und Dr. Sandra Gilgan ist Geschäftsführerin der Bonner Allianz für Nachhaltigkeitsforschung. Zusammen leiten sie die DKN Arbeitsgruppe mit dem Titel „Alternative Sustainabilities. Between local contexts und global measures“, gefördert von dem Deutschen Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

  • Großmann, Kristina: Gender, Islam, Aktivismus: Handlungsräume muslimischer Aktvistinnen nach dem Tsunami in Aceh, Indonesien. Berlin 2013.
  • Großmann, Kristina / Guido Sprenger. Plural Ecologies in Southeast Asia. In: SOUJOURN Vol. 33/2 (2018). Link: https://bookshop.iseas.edu.sg/publication/2333.
  • Großmann, Kristina: Human–Environment Relations and Politics in Indonesia. London 2021. 

Immerzu konfrontiert uns das Leben mit moralisch schwierigen Entscheidungen. Täglich stellt sich die Frage, ob wir bereit sind, auf einen persönlichen Vorteil zu verzichten, wenn wir damit für andere etwas Gutes tun können. In seinem Vortrag erläutert Armin Falk an vielen konkreten Beispielen und auf der Grundlage langjähriger Studien, unter welchen Umständen sich Menschen moralisch verhalten und welchen Einfluss die Persönlichkeit und andere Faktoren haben.

Moderation: Priv.-Doz. Dr. Manuel Becker


Armin Falk
leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq) und ist Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. Für seine Forschung wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Leibniz-Preis und dem Yrjö Jahnsson Award, der höchsten europäischen Auszeichnung für Ökonomen. Sein aktuelles Buch »Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein« ist im Mai 2022 bei Siedler erschienen.

Die von Bundeskanzler Scholz ausgerufene ‚Zeitenwende‘ im globalen Miteinander und vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine fordert die globale Nachhaltigkeitsagenda heraus. Das Zusammenspiel ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit droht weiter an Balance zu verlieren. Geopolitische Machtverschiebungen und Verwerfungen stehen gemeinsamen Bemühungen der Weltgemeinschaft im Ausprägen nachhaltiger Zukünfte entgegen. In ihrem Vortrag wendet sich Frau Hornidge diesen Herausforderungen zu, bettet diese ‚Zeitenwende‘ ein in globale Veränderungsprozesse, reflektiert ihre Auswirkungen auf die Inhalte der globalen Nachhaltigkeitsagenda, auf deren Politikinstrumente und die sie ermöglichende Institutionenlandschaft. Welche Nachhaltigkeitsagenda benötigen wir nicht trotz, sondern vielleicht gerade wegen der ausgerufenen ‚Zeitenwende‘?

Moderation: Prof. Dr. Annette Scheersoi


Anna-Katharina Hornidge
ist Direktorin des German Institute of Development and Sustainability (IDOS) und Professorin für Globale Nachhaltige Entwicklung an der Universität Bonn. In ihrer Forschung arbeitet sie zu Fragen von Wissen(-schaft) für Entwicklung und natürliche Ressourcen-Governance in den Landwirtschaften und der Fischerei Asiens und Afrikas. Sie berät die Bundesregierung, auf EU- und UN-Ebene – u.a. als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU); sie ist Co-Vorsitzende von SDSN Germany und Teil des Vorstands der Deutschen UNESCO-Kommission.

  • Hornidge, Anna-Katharina et al.: Institutions and institutional changes: aquatic food production in Central Luzon, Philippines. 2021.
  • Hornidge, Anna-Katharina et al.: Contributions of marine area-based management tools to the UN sustainable development goals. 2021.
  • Hornidge, Anna-Katharina et al.: Breaking down barriers: the identification of actions to promote gender equality in interdisciplinary marine research institutions. 2022.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde und in der Regel positiv besetzt. Wenn etwas nachhaltig ist, ist das gut. Nachhaltig zu sein kann jedoch ganz Unterschiedliches bedeuten, langfristige Ziele können wünschenswerten Wandel blockieren, und je für sich genommen sinnvolle Nachhaltigkeitsziele können miteinander in Konflikt geraten. Gute Gründe, Nachhaltigkeit in ethischer Hinsicht nicht automatisch für gut zu halten.

Moderation: Prof. Dr. Volker Kronenberg


Christiane Woopen
war geschäftsführende Direktorin des interfakultären Zentrums ceres, Professorin für Ethik und Theorie der Medizin sowie Leiterin der Forschungsstelle Ethik an der Universität zu Köln. In den letzten Jahren war sie Mitglied zahlreicher internationaler Expertengruppen, zuletzt Vorsitzende der Europäischen Ethikrats (European Group on Ethics in Science and New Technologies), Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Präsidentin des 11th Global Summit of National Ethics/Bioethics Committees, Mitglied des International Bioethics Comitee der UNESCO und Co-Sprecherin der Datenethikkommission der deutschen Bundesregierung. Woopen ist Mitglied der Academia Europaea, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

  • Woopen C / Jannes M (Hg.): Roboter in der Gesellschaft. Technische Möglichkeiten und menschliche Verantwortung, Berlin 2019.
  • Woopen C (Hg.). et al.: Medizin und Standard. Verwerfungen und Perspektiven. Berlin 2020.
  • Woopen C. et al.: Alternde Gesellschaft im Wandel. Zur Gestaltung einer Gesellschaft des langen Lebens. Berlin 2020.

Im Gefolge des Berichts der Brundtland Kommission aus dem Jahre 1987 hat sich „Nachhaltigkeit“ zu einem globalen Schlüsselbegriff entwickelt. Der Vortrag rekonstruiert die Vorgeschichte des Begriffs und analysiert die diskursiven Logiken seines Einsatzes und Erfolgs. Der Begriff erscheint dabei als Kernelement der Ideologie eines grünen Kapitalismus, die auf der Verdrängung der Einsicht in den untrennbaren Zusammenhang von kapitalistischer Produktionsweise und Naturzerstörung beruht und gesellschaftspolitische Probleme mit (sozial)technologischen Mitteln zu lösen versucht.

Moderation: Priv.-Doz. Dr. Andrea Schütte


Falko Schmieder
ist seit 2005 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin; gemeinsam mit Ernst Müller und Barbara Picht gibt er das Wörterbuch Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland heraus.

  • Schmieder, Falko: Ludwig Feuerbach und der Eingang der klassischen Fotografie. Zum Verhältnis von anthropologischem und Historischem Materialismus. 2004.
  • Schmieder, Falko / Müller, Ernst: Begriffsgeschichte und historische Semantik. Ein kritisches Kompendium. 2016.
  • Schmieder, Falko / Müller, Ernst: Begriffsgeschichte zur Einführung. 2020.

Wenn Kultur maßgeblich zur Herausbildung von Unterscheidungsfähigkeit beiträgt, dann ist – so die These – die Nachhaltigkeit von Kultur die Bedingung der Entstehung und des Fortdauerns von Demokratie. Ohne Kultur gibt es keine Demokratie und ohne Demokratie keine ökologische Energie. Dass Autokratien Kultur zu beherrschen versuchen, stützt die Behauptung. Der Vortrag will diesen Zusammenhängen genauer nachgehen und insbesondere die Frage verfolgen, was ‚Nachhaltigkeit von Kultur‘ in einer sich zusehends beschleunigenden Weltgesellschaft noch meinen kann.

Moderation: Priv.-Doz. Dr. Andrea Schütte


Jürgen Fohrmann
ist Prof. em. für Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (1992-2021). 2009 bis 2015 war er der Rektor der Bonner Universität.

Arbeitsschwerpunkte: Literatur- und Medientheorie, Wissenschaftsgeschichte, Literatur- und Kulturgeschichte des 18. bis 21. Jahrhunderts.

  • Fohrmann, Jürgen / Gethmann, Carl Friedrich (Hg.): Topographien von Intellektualität. Göttingen 2018.
  • Dubbels, Elke / Fohrmann, Jürgen / Schütte, Andrea (Hg.): Polemische Öffentlichkeiten. Zur Geschichte und Gegenwart von Meinungskämpfen in Literatur, Medien und Politik. Bielefeld 2021.
  • Dembeck, Till / Fohrmann, Jürgen (Hg.): Die Rhetorik des Populismus und das Populäre. Körperschaftsbildungen in der Gesellschaft. Göttingen 2022.
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